{"id":1361,"date":"2015-08-23T17:18:14","date_gmt":"2015-08-23T17:18:14","guid":{"rendered":"http:\/\/grupos.unileon.es\/mebar\/?page_id=1361"},"modified":"2015-09-18T00:46:43","modified_gmt":"2015-09-18T00:46:43","slug":"casus-recepcion-aleman","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/grupos.unileon.es\/mebar\/casus-recepcion-aleman\/","title":{"rendered":"Casus. Recepci\u00f3n alem\u00e1n"},"content":{"rendered":"<p><strong>UEDING, G<\/strong>.\u00a0<em>Historisches W\u00f6rterbuch der Rhetorik.<\/em>\u00a0T\u00fcrbingen: Niemeyer, 1992-2009. 10 vols.<\/p>\n<p><strong>Fortuna, Zufall <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ueding, G.<\/strong> Historisches W\u00f6rterbuch: Band II, \u00a0124-140.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[p. 124] Im Rahmen der Gerichtsrhetorik bezeichnet Casus vornehmlich den Zufall, durch dessen Einwirkung das Verhalten des Angeklagten zu Folgen f\u00fchr, die er nicht beabsichtigt hat. Zusammen mit der imprudentia (auch ignorantia, error: Unkenntnis, Irrtum) und necessitas (auch necessitudo, Notwendigkeit) bildet der Casus hier eine der drei Formen der purgatio, welche zur Entschuldigung des Angeklagten auf Umst\u00e4nde hinweist, die den Vorsatz ausschliessen. Der Casus ist somit ein Bstandteil der Statuslehre, die ihrerseits dem Bereich der inventio (der Lehre von der rhetorischen Erfindungskunst) zugeh\u00f6rt, die der erste der Teile der rhetorischen Kunstlehre (rhetorices partes) ist. Die purgatio ist eine der Formen der concessio (auch excusatio, venia, qualitas veniales); diese weist auf Entschuldigungsgr\u00fcnde hin, welche f\u00fcr eine gestandene Tat vorgebracht werden k\u00f6nnen. Die concessio wiederum ist Bestandteil der qualitas assumptiva, die im Gegensatz zur qualitas absoluta die Tat nicht aus sich selbst heraus rechtfertig, sondern den Angeklagten durch Herbeiziehung (assumptio)\u00a0 weiterer Umst\u00e4nde zu verteidigen sucht, welche sein Verhalten in einem anderen Licht erscheinen lassen. Qualitas absoluta und qualitas assumptiva bilden zusammen die qualitas iuridicialis, einen Teil des status qualitatis (auch constitutio generalis), der seinerseits zu den status rationales geh\u00f6rt, die sich im Gegensatz zu den status legales, welche die Interpretation von rechtlichen Texten betreffen, direkt mit der Feststellung und Beurteilung des T\u00e4terverhaltens befassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als entschuldigender Zufall wird der Casus auch in der Topik behandelt, wo er als Bestandteil der purgatio im Rahmen der imprudentia (Vorsatzlosigkeit) erscheint, die der prudentia (Vorsatz) entgegengesetzt wird. Prudentia und imprudentia sind Formen\u00a0 des modus, der sich mit der Frage der Willentlichkeit der Tat befasst, und somit zu den topoi geh\u00f6rt, die sich auf die Handlung beziehen (Negotiis [&#8230;] quae sunt attributa Mart. Capella rhet, 12, Halm 459). \u00c4hnlich erscheint der casus entschuldigend auch als eine der unvors\u00e4tzlichen Ursachen menschlicher Handlungen bei den loci (Argumentfundorten) zur Kausalit\u00e4t. Weiterhin begegnet der Begriff casus in der Topik zudem als Argumentationsgeschichtspunkt, der sich auf die Person bezieht (quod personis [&#8230;] est attributum Grillius, rhet Halm 497); in diesem Zusammenhang bezeichnen casus bedeutsame Vorf\u00e4lle oder Wechself\u00e4lle im Leben der Person, die gegebenenfalls auch zur Erregung von Mitleid verwendet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>UEDING, G.\u00a0Historisches W\u00f6rterbuch der Rhetorik.\u00a0T\u00fcrbingen: Niemeyer, 1992-2009. 10 vols. 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