{"id":154,"date":"2013-10-06T21:42:28","date_gmt":"2013-10-06T21:42:28","guid":{"rendered":"http:\/\/grupos.unileon.es\/mebar\/?page_id=154"},"modified":"2015-09-17T23:40:02","modified_gmt":"2015-09-17T23:40:02","slug":"antithesis_definicion_aleman","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/grupos.unileon.es\/mebar\/antithesis_definicion_aleman\/","title":{"rendered":"Antithesis. Recepci\u00f3n alem\u00e1n"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>UEDING, G<\/strong>. <em>Historisches W\u00f6rterbuch der Rhetorik.<\/em>\u00a0T\u00fcrbingen: Niemeyer, 1992-2009. 10 vols.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ueding.\u00a0<\/strong>1992.<strong>\u00a0<\/strong>\u00a0vol. 1. 722-749<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Antithese, contrarium <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[p. 722] Die Antithese ist\u00a0 zun\u00e4chst eine Kategorie der Stiltheorie (<i>elocutio<\/i>). Ihr lateinischer Name lautet <i>contrapositum, contrarium<\/i> (Qvint. 9, 3, 81) gelegenthlich erscheinen in Wechsel die Ausdr\u00fccke contentio (Rhet. <i>Her<\/i>. 4, 15, 21) und <i>compositum ex contrariis<\/i> (Aqvila<i> Rhet<\/i>. 22, p. 29). Sie wird teils als Wortfigur, teils als Sinnfigur aufgefasst und von Aristoteles mit dem Begriff der Periode (<i>periodos<\/i>) in Verbindung gebracht. Wenn ein anderer griechischer Terminus f\u00fcr die Antithese <i>synkrisis<\/i> lautet, so zeigt das ihre Ambivalenz an. Es geht um eine Zusammenstellung von gegens\u00e4tzlichen Worten oder Aussagen, die gleichermassen in kritisch-trennender wie in synthetischer Absicht erfolgen kann. Darin bekundet sich die N\u00e4he dieser Figur zu Dialektik, die im Rahmen der rhetorischen Systematik durch die <i>ars inveniendi<\/i>, die Erfindungskunst oder Topik, vertreten wird, wo die Aufmerksamkeit sich auf die Inhaltsseite der Rede (<i>pragmata res<\/i>) richtet und die Faktoren des rhetorischen Beweises (<i>enthymema<\/i>) betrachtet werden, unter denen der Ort aus dem Gegens\u00e4tzlichen (<i>topos ex enantion, locus ex contrariis<\/i>) eine wesentliche Rolle spielt. Die zweifache Thematisierung der Antithese kennzeichnet ihre vermittelnde Funktion: ihr systematischer Ort ist das Grenzgebiet, in dem die Theorie des sprachlichen Ausdrucks sich mit der Theorie des Denkens und Erkennens ber\u00fchrt. Dieser Doppelstellung d\u00fcrfte die Antithese ihre weitreichende philosophische und literarische Bedeutung verdanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<b>Ueding<\/b><strong>.<\/strong> 1992. sect. IV <em>Manierismus, Barock.<\/em>\u00a0vol. 1. \u00a0740-741<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Manierismus ist die Antithese das Stilelement einer zwiesp\u00e4ltig gestimmten Formkunst. Sie ist hier 1) Figur des unsicheren Schwankens zwischen den Extremen, 2) Medium des bewussten Vereinigungswillens, der sich am Gegens\u00e4tzlichen entz\u00fcndet, und 3) Ausdruck des Bed\u00fcrfnisses nach dem starken Augenblicksreiz, nach der <i>\u00e4sthetischen Suggestion<\/i>.\u00a0 Obschon das Schwelgen in der Mannigfaltigkeit der Figuren \u00fcberhaupt den Manierismus charakterisiert, ist das Antithetische insofern zentral, als es die uneigentliche Ausdrucksweise insgesamt durchzieht. In der bevorzugten Bildung von sog. Oppositions-Metaphern schl\u00e4gt sich das exemplarisch nieder. In der Metaphern-Stilllehre des E. Tesauro, eines der f\u00fchrenden Manieristen im 17. Jahrhundert gelten als Beispiele gelungener Metaphorik Wendungen wie \u201ddie Schildkr\u00f6te ist die Lyra ohne Saiten\u201c \u201ddie Orgel ist eine Nachtigall ohne Federn\u201c. Man sucht eben die Klarheit in der Verdunkelung und gef\u00e4llt sich darin, das \u00c4nigmatische zu machen. Dazu passt die Vorliebe f\u00fcr das Zweideutige ebenso wie die Tendenz zum scharfen Kontrast. Historisch geh\u00f6rt der Manierismus in die Phase zwischen Renaissance und Barock. Er sch\u00e4rft den Blick f\u00fcr die Antithetik des In-der-Welt-Seins, und er meistert die M\u00f6glichkeiten, sie zur Sprache zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Eines der wesentlichen Schnittfelder von Manierismus und Barock ist die \u201dargutia-Lehre\u201c, wobei allerdings als erscheinende Differenz zu beachten bleibt, dass die barocken Rhetoriken eine funktionalistische, am \u00dcberredungsziel ausgerichtete Grundperspektive festhalten. \u201dDie Rhetorica ist ein Kunst von einem vorgesetzten\u00a0 Ding zierlich zureden und k\u00fcnstlich zuoberreden\u201c so schreibt J. M. Meyfart in seiner \u201dTeuschen Rhetorica\u201c. Dort liest man des weiteren die Forderung, es m\u00fcsse in der Weise geredet werden \u201cdas die jenseitigen, an welche die Rede geschicht, nach Gelegenheit der Zeit sittiglich und gewaltiglich oberredet werden\u201c.\u00a0 Massstab rhetorischer Leistung ist, wie Meyfart ausdr\u00fccklich betont, der H\u00f6rer. Freilich steht die \u201dTeutsche Rhetorica\u201c ausserhalb der \u201dargutia-Bewegung\u201c. Und so findet sich die Antithese nicht eigens behandelt \u2013sie erscheint allenfalls als unselbst\u00e4ndiges Element der Ironie-, obwohl die rhetorischen Tropen und Figuren ansonsten extensiv vorgestellt und mit Beispielen erl\u00e4utert warden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<b>Ueding.<\/b>\u00a01992. vol. 1. 743<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufkl\u00e4rung 18 Jh. Der Anspruch, Organon vern\u00fcnftiger Selbstbehauptung zu sein, ist massgebend f\u00fcr die aufkl\u00e4rerische Akzeptanz der Rhetorik. Die Durchsetzung der Vernunft bildet demgem\u00e4ss das Ziel, auf das hin J. C. Gottsched die rhetorische Hauptaufgabe mit den Worten fixiert \u201dDiejenige Beredsamkeit nun, welche\u00a0 sich der ersten\u00a0 Art der Beweisgr\u00fcnde bedienet, die Vernunft und Wahrheit gem\u00e4sst sind, wollen wir\u00a0 eine falsche Beredsamkeit nennen. Wie Meyfart lehnt auch Gottsched eine Rhetorik des blossen Wortspiels ab, um stattdessen eine Rede zu fordern, die durch die Bewegungskraft ihrer Erschliessungen \u00dcberzeugung schafft und\u00a0\u00a0 Entschiedenheit zeitigt. Die Eigenart rhetorischer Begr\u00fcndungen erkennt darin, dass sie das Wahrscheinliche in Problembereichen geltend machen, in denen demonstrative Gewissheit entweder \u00fcberhaupt nicht oder zumindest nicht von der Mehrzahl der Menschen erlangt werden kann. Am wichtigsten ist hier Gottscheds strikte R\u00fcckbindung der Rhetorik an die Philosophie, wobei er die Logik und die Ethik, nicht zuletzt aber auch die Psychologie ins Auge fasst. (&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ueding<\/b>, 1992. \u00a0vol.1. 744<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass in der Bestimmung der Figuren durch die Aufkl\u00e4rungsrhetorik ein stoischer Einfluss richtunggebend eingreift, wird besonders an den Gedanken der Zugeh\u00f6rigkeit der Figuren zur Natur der Sprache evident. Exemplarisch dr\u00fcckt ihn J. A. Fabricius mit den Worten aus: \u201eDie regungen des willens druckt die natur fasst von selbsten, und ohne zwang in der rede aus, dadurch , dass sie denen redens-arten und worten, durch besondere stellung und aussprache, gewisse neben-ideen anhengt, daraus man die verh\u00e4ltnisse des affects zu der sache, durch eine sympathtische Kraft abnehmen und in dem andern erregen kann, und solche merckmahle nennt man figuren\u201c. (&#8230;) Nachdem Fabricius den Figurenbegriff einmal mit dem psychologisch Urscpr\u00fcngslichsten verbunden hat, kann ihm die \u00fcberlieferte Einteilung nicht mehr gen\u00fcgen, muss sie ihm als orientierungslos erscheinen. (&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die das Erbe der antiken Rhetorik im 18. Jh. Antretende neue Disciplin der \u00c4sthetik gewinnt die Antithese in der Definition ihrer Sch\u00fcsselkategorien \u2013es sind dies der Geschmack, der Witz, das Genie, das Sch\u00f6ne und das \/745 Erhebene- zentrale Bedeutung. Der methodische Ansatz der \u00c4sthetik bleibt durchg\u00e4ngig von der Aufgabe her bestimmt, die mittleren, in Antithesen wurzelnden Begriffe zu untersuchen, und Gegenstand der \u00e4sthetischen Erfahrung wird gerade das, womit die diskursive, rein rationale Erkenntnis nichts anfangen kann: das Widerspruchsvolle. (&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ueding<\/b>, 1992. vol. 1. 745<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19\/20 Jh. Die Romantik hat an das Niveau der \u00e4sthetischen Diskussion des 18. Jh. Das Kants \u00abKritik der Urteilskraft\u201c markiert, unmittelbar angekn\u00fcpft und dabei die antithetische Denkform durch den Begriff der <i>intellektuellen Anschauung<\/i> vertieft. Er meint das Verm\u00f6gen, im Gegens\u00e4tzlichen die Identit\u00e4t zu sehen. Anders als Hegel, der die Antithese in den Bezugsrahmen von These und Synthese und damit einer triadischen Logik der bestimmten Negation stellt, bleibt Schelling direkt der rhetorischen Figurenlehre verpflichtet. Er setzt die Antithese, um die Spezifik ihres geistigen Sinns zu erl\u00e4utern, mit der Figur der Emphasis in Verbindung. Schelling gelangt so zum Entwurf einen agonalen Antithetik , deren Striktur er auf die Formel bringt: A muss sein Gegenteil (B) werden, um als A zu sein. Das hier zugrundeliegende energetische Modell definiert den Begriff des Chaos durch den des Gleichgewichts, den Begriff der Ordnung, aber durch den des Ungleichgewichts. Der chaotische Zustand h\u00e4lt die Energie latent, w\u00e4hrend der geordnete Zustand der Aktivierungsform von Energie ist. Demgem\u00e4ss l\u00e4sst sich Schellings Grundgedanke in Hinsicht auf dynamische Prozessstrukturen, wie wir sie in der Mythologie vorfinden, auch folgendermassen wiedergeben: A muss aus seinem Gleichgewicht verdr\u00e4ngt werden, damit die in ihm latente Energie aktiv zur Wirkung komme. (&#8230;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>UEDING, G. Historisches W\u00f6rterbuch der Rhetorik.\u00a0T\u00fcrbingen: Niemeyer, 1992-2009. 10 vols. Ueding.\u00a01992.\u00a0\u00a0vol. 1. 722-749 Antithese, contrarium [p. 722] Die Antithese ist\u00a0 zun\u00e4chst eine Kategorie der Stiltheorie (elocutio). Ihr lateinischer Name lautet contrapositum, contrarium (Qvint. 9, 3, 81) gelegenthlich erscheinen in Wechsel die Ausdr\u00fccke contentio (Rhet. 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