{"id":843,"date":"2015-06-18T12:29:57","date_gmt":"2015-06-18T12:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/grupos.unileon.es\/mebar\/?page_id=843"},"modified":"2015-09-17T21:18:41","modified_gmt":"2015-09-17T21:18:41","slug":"allegoria-recepcion-alemana","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/grupos.unileon.es\/mebar\/allegoria-recepcion-alemana\/","title":{"rendered":"Allegoria. Recepci\u00f3n alemana"},"content":{"rendered":"<p><strong>BARCK, Karlheinz, FONTIUS, Martin, SCHLENSTEDT, Dieter, STEINWACHS Burkhart, WOLFZETTEL, Friedrich<\/strong> (eds.). <em>\u00c4sthetische Grundbegriffe, Historisches W\u00f6rterbuch.<\/em>\u00a0Stuttgart: J.B. Metzler; C.E. Poeschel, 2010, 7 vols.<\/p>\n<p><strong>Barck, <\/strong>et al. 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Vol 1, p. 65] \u00a0Baumgarten hatte im zweiten Teil der <em>Aesthetica<\/em> von 1758 die Lehre von den Tropen definiert: \u201eO<em>mnis tropus, quam definivi est figura, sed cryptica, cuius genuina forma non statim apparet, quoniam est figura contracta per substitutionem <\/em>((1758, 533). \/ p. 66 (&#8230;) Baumgarten beruft sich durchgehend auf Quintilian, und es ist anzunehmen, dass er an dieser Stelle die den Tropen innewohnenden Latenz zur Figur meint und zur \u00e4sthetischen Konsequenz gef\u00fchrt hat. (&#8230;) Baumgarten \u00e4ltere <em>Meditationes<\/em> von 1735, die Gerhard Johannes Vossius neben Julius C\u00e4sar Scaliger als Vorl\u00e4ufer auf dem Gebiet der Poetik sowohl w\u00fcrdigen als distanzieren, hatten neben der Metapher die Synekdoche erw\u00e4hnt, bevor zur Allegorie kamen, und dabei blieb es dort, was die Figuren als \u201atermini improprii\u2019 angeht (<em>Meditationes<\/em> 66). (&#8230;) Die Allegorie f\u00fchrt auch er als continuatio der Haupttropen ein und wie bei Ramus unter Ausnahme der Ironie. (&#8230;) Die Ironie schliesst er von dieser Beschreibung explizit (gegen die bestehende, berechtigte Erwartung) aus, obwohl er sie als vierten Haupttropus mit eingef\u00fchrt hatte. \u00c4hnlich wie Ramus versucht Vossius den allzu losen Quintilianischen \u00dcbergang der Ironie von den Tropen zu den Figuren zu kappen. Die Ironie bleibt bei ihm auf die Tropen beschr\u00e4nkt; sie zeigt sich nicht wie die drei anderen zur Allegorie tauglich, sondern sieht sich auf ihr oppositionelles Talent qua Tropus verwiesen. In der Tat war es ja schon die bei Quintilian offengebliebene Frage, inwieweit die Ironie der <em>continuatio<\/em> syntaktisch entgegensteht, indem sie semantisch punktuelle Z\u00e4suren setzt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>UEDING, G<\/strong>. <em>Historisches W\u00f6rterbuch der Rhetorik.<\/em>\u00a0T\u00fcrbingen: Niemeyer, 1992-2009, 10 vols.<\/p>\n<p><strong>Ueding.<\/strong>\u00a0\u00a0Vol. 1, 330-390<\/p>\n<p>Allegor\u00eda, <em>hyponoia<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[p. 330-331] Obwohl strukturelle Merkmale der Allegorie auch im Aussersprachlichen zu finden sind, ist sie doch vor allem eine sprachliche Form, die bisweilen allt\u00e4glich und spontan, h\u00e4ufiger mit Kenntnis ihrer schulm\u00e4ssigen fachsprachlich beschriebenen Regeln entsteht oder als schon bekannter allegorischer Ausdruck vorkommt. (&#8230;) Die sprachliche Aussageform der Allegorie wird h\u00e4ufig zuerst als rhetorischer Tropus verstanden, als etwas unklare, durch Bedeutungsver\u00e4nderungen schwierige Wortkombination, die Eines sagt, ein Anderes meint und wie alle Tropen einen Gedankensprung erfordert, Sinn\u00fcbertragung (<em>translatio<\/em>) von gesagten Bedeutenden (significans) zum gemeinten Bedeuteten \/ [p. 331] (<em>significatum<\/em>). Der gedankliche Schritt, in dem die Allegorie von Sprecher und H\u00f6rer konstituiert wird, vollzieht sich entweder intuitiv oder methodisch diskursiv als eine Art Vergleich (<em>similitudo<\/em>) oder Gegensatz (<em>contrarium<\/em>) zwischen dem allegorisch Bedeutenden und Bedeuteten. Ausgehend von den beiden semantischen Grundmustern, Vergleich und Gegensatz, erkennt man Verwandtschaft der Allegorie mit verschiedenen Redeformen: einerseits mit Metapher, comparatio, exemplum, aenigma, andererseits mit Ironie, Euphemismus, Sprichwort u. a. Der Platz der Allegorie innerhalb der sich historisch wandelnden Tropensysteme wechselt, oft liegt er zwischen Metapher (Allegorie als fortgesetzte Metapher) und Aenigma (dunkle Allegorie als Aenigma). Wenn manche die Allegorie wegen ihrer mehr oder weniger vorhandenen, nicht nur von der Wortgebung, sondern auch von der Findigkeit des Rezipienten abh\u00e4ngen Dunkelheit nicht sch\u00e4tzen, in ihr einen Verstoss gegen das Ideal rhetorischer Klarheit sehen; oder allzu pathetische, schw\u00fclstige Wortgebung, dann halten andere gerade ihr die grosse Wirkung tropischer Rede zugute: das Rede und Gegenstand Schm\u00fcckende, das gebildet Intelligente und reizvoll Komplizierte, das affektiv Ber\u00fchrende und persuasiv Gewinnende, manchmal sogar Notwendige, wenn n\u00e4mlich in Anbetracht bestimmter Situationen und Gegenst\u00e4nde die andeutende Allegorie (allusio) als allein m\u00f6gliche Redeweise erscheint. Es gibt viele Anwendungsm\u00f6glichkeiten der Allegorie von feierlich pr\u00e4tenti\u00f6ser, ehrf\u00fcrchtig mysteri\u00f6ser oder taktisch vorsichtiger Einkleidung des indirekt zu Sagenden \u00fcber verbales Tasten und suchendes Umschreiben, aber auch suggestives Argumentieren, anschauliches Belehren und Memorieren, selbst Philosophieren bis hin zu fabul\u00f6ser Phantastik und Witz, selbst Satire.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Tropus als Gedankenfigur der elocutio, hinaus ist der Allegoriebegriff dadurch erweitert, dass er im Zuge der Allegorese mit Mythos und fiktiver fabula verbunden wurde, ausserdem mit deren Gegenbegriffen facta und historia. Allegorie ist demzufolge einerseits auch Merkmal sprachlicher Grossformen, sie ist nicht selten Kriterium der Konzeption bestimmter literarischer Gattungen, besonders von Epos und Fabel, auch kleinerer Formen der R\u00e4tsel und Emblem, zu Zeiten jeder Poesie. Sie kann andererseits in Halb- und Aussersprachlichem vorliegen wie in Ritus, Theater, bildender Kunst, Architektur, Musik und manchmal selbst in Mathematik oder Naturwissenschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BARCK, Karlheinz, FONTIUS, Martin, SCHLENSTEDT, Dieter, STEINWACHS Burkhart, WOLFZETTEL, Friedrich (eds.). \u00c4sthetische Grundbegriffe, Historisches W\u00f6rterbuch.\u00a0Stuttgart: J.B. Metzler; C.E. Poeschel, 2010, 7 vols. 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